Archiv für Oktober 2013

Warum haben wir nicht in Kulmbach in der Bahnhofskneipe „zum Bockela“ gespielt?

Wir waren noch nie in Kulmbach und wir kannten die Kneipe „zum Bockela“ auch vorher nicht. Uns wurde an dem Abend erzählt, dass es sich wohl um die einzige Auftrittsmöglichkeit in Kulmbach handelt – was unter den Umständen wirklich tragisch ist. Das Konzert wurde nicht von der Kneipe oder dem Wirt organisiert, sondern sollte lediglich dort stattfinden.

Bevor das Konzert los ging mussten wir feststellen, dass sowohl einige Besucher der Kneipe, als auch der Türsteher Kleidungsstücke trugen, die bei Nazis sehr beliebt sind. Ein Gast trug ein Pullover der Marke Thor Steinar und der Türsteher einen Thorshammer. Da wir darüber mehr wissen wollten, sprach einer von uns die betreffenden Personnen an. Auf die Frage: „bist du ein Nazi?“ Kam kein „nein!“, wie man das erwarten könnte, sondern ein „das geht dich gar nix an!“ „Lass gut sein!“.
Wir sprachen darauf hin mit dem Wirt. Der bestätigte, dass es sich bei den betreffenden Personen um Nazis handelt. Er wusste um ihre politische Gesinnung. Er war weder überrascht, noch hatte er was dagegen, dass sie sich in seiner Kneipe aufhalten bzw. für ihn arbeiten. Er reagierte eher mit Unverständnis, dass wir uns darüber so aufregen, denn seiner Auffassung nach wäre das schon vor dem Konzert zumindest in Kulmbach bekannt gewesen („des sin Stammgäste, die sind jeden Abend hier!“).

Damit war für uns klar, dass es keine Grundlage gibt in diesem Laden zu spielen. Ehrlich gesagt hat uns die Selbstverständlichkeit, mit der Nazis in dem Laden akzeptiert werden schockiert. Und dafür gibt es für uns auch nur eine Erklärung: Beim „zum Bockela“ in Kulmbach handelt es sich um eine Nazikneipe! Das heißt nicht, das alle Leute, die sich dort aufhalten Nazis sind. Aber, dass es eine Kneipe ist, die in erster Linie für Nazis da ist. Der Wirt hat sich in der Frage sehr klar positioniert.

Nachdem wir unsere Sachen wieder ins Auto geladen hatten, versuchten wir den Besucher/innen zu erklären, warum wir im „zum Bockela“ nicht spielen würden. Die meisten konnten diesen Schritt nachvollziehen und begrüßten unsere Entscheidung. Einige konnten diesen Schritt aber nicht nachvollziehen und warfen uns vor, den Ort durch unsere Entscheidung den Nazis zu überlassen oder ihn an die Nazis zu verlieren.

Dazu möchten wir gerne noch einmal Stellung beziehen:
Es ging bei unserer Entscheidung nicht darum, dass in dem Laden ein paar Nazis waren. Wäre das das einzige Problem gewesen, hätte man die raus schmeißen können und das ganze wäre gegessen gewesen. (Übrigens waren alle außer dem Türsteher ja auch schnell verschwunden, als klar war, dass es ein Problem geben könnte) Das Problem war vielmehr, dass der Wirt klar gemacht hat, dass der Bockela ein Ort für Nazis ist. Ein Ort in dem Nazis so etabliert sind, dass sich der Wirt bei Problemen eindeutig hinter sie stellt, wenn nicht sogar selbst einer ist, gehört schon den Nazis.
Zu versuchen einen solchen Raum wieder zu gewinnen, kann nur dann funktionieren, wenn die Nazis und der Wirt, der die Nazis als Gäste möchte, verschwinden. Mit unserem Auftritt hätten wir das niemals erreichen können. Erfolgreicher wäre wohl, wenn alle nicht Nazis den Laden so lange meiden, bis dort keine Nazis mehr geduldet werden. Am besten und einfachsten geht das mit neuem Wirt. Einen neuen Wirt kriegt man am besten, wenn der alte pleite geht. Und das geht nur wenn man den Laden boykottiert. Los gehts!